In eigener Sache: Von Schadensersatz und Tennisclubs

In eigener Sache: Von Schadensersatz und Tennisclubs

Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr lud das Düsseldorfer Institut für Kartellrecht zum 2. Offenen Doktorandenseminar an den Rhein. Über 50 (auch am zweiten Tag noch) hellwache Nachwuchsforschende aus ganz Deutschland und Österreich folgten dem Ruf, ließen für zwei Tage die Tastaturen ruhen und stiegen aus dem einsamen Elfenbeinturm herab – mitten ins Getümmel. Thilo Klawonn gibt einen Einblick für alle Daheimgebliebenen (mit vielen farbigen Abbildungen!).

 

Die erste Freude des 2. Düsseldorfer Doktorandenseminars kam bereits vor der offiziellen Eröffnung. Da erzählte mir einer der Teilnehmer, dass er selbstverständlich gerne in die „Hauptstadt des Kartellrechts“ gekommen sei. Dieses Lob des Standorts Düsseldorf ging runter wie Öl – und spornte uns noch mehr an, alles für ein gelungenes Seminar zu tun.

 

Wissen schafft Behörde

Was für Kindergarteneltern gilt, gilt erst recht für Kartellsünder.
Hannah Schildberg-Hörisch (DICE) erklärt behavioural economics.
Jetzt promovieren - morgen legislieren.
Thorsten Käseberg (BMWi) gibt einen Vorgeschmack auf GWB10.

Wie schon im letzten Jahr war das Programm des Düsseldorfer Doktorandenseminars vollgepackt mit Highlights. Hervorzuheben sind zunächst die Fachvorträge aus Wissenschaft und Behörden, die inhaltlich den einen oder anderen Denkanstoß gebracht haben dürften. Hochkarätige Redner waren Referatsleiter Dr. Thorsten Käseberg, der im Bundeswirtschaftsministerium am Kartellrecht bastelt, Professorin Dr. Hannah Schildberg-Hörisch von unseren Düsseldorfer Ökonomie-Kollegen, dem DICE, sowie der Leiter der Prozessabteilung des Bundeskartellamts, Jörg Nothdurft. Dr. Käseberg gab einen Einblick in Herausforderungen für die Wettbewerbspolitik durch die Digitalisierung und wählte damit ein Thema, das aktueller kaum sein könnte. Als Leiter des zuständigen Referats im BMWi konnte er aus erster Hand zu den Schritten in Richtung 10. GWB-Novelle berichten. Prof. Dr. Schildberg-Hörisch nahm die Doktorandinnen und Doktoranden mit auf einen Ritt durch die Verhaltensökonomie und die empirische Wirtschaftsforschung. Besonders interessant dabei waren mögliche Implikationen auf die juristische Forschung.

JN 2018
Jörg Nothdurft (BKartA) wich beim Kamingespräch ohne Kamin keiner Frage aus.

Jörg Nothdurft schließlich trug gar nicht vor, das macht er ja beim BGH sonst, sondern stellte sich gleich den Fragen der Anwesenden. Im Kamingespräch (ohne Kamin) beeindruckte er mit rhetorischen und fachlichen Fähigkeiten, die ihresgleichen suchen. Jede noch so tiefgehende Frage konnte er aus dem Stegreif und mit viel Witz und Charme beantworten. Eine bessere Werbung hätte das Amt für seine Tätigkeit gar nicht machen können.

 

Forschung am Puls der Zeit

Kernstück des Doktorandenseminars waren aber natürlich die Vorträge der Nachwuchsforschenden. Sieben Doktorandinnen und Doktoranden nutzen die Gelegenheit und präsentierten aus ihren Arbeiten. Vertreten war alles, was momentan heiß ist, von der Marktabgrenzung bei Plattformen, Verpflichtungszusagen und Settlements samt ihrer Rechtsstaatlichkeitsprobleme über die Diskriminierung von Endverbrauchern und Rechtsschutz bei der Ministererlaubnis bis hin zum Kartellschadensersatz. Zuhörende wie Vortragende werden so einiges für ihre Forschung mitnehmen können, denn bei den anschließenden Diskussionen ging es hitzig zur Sache. Stellenweise sah ich sogar in den anschließenden Kaffeepausen die Köpfe weiter rauchen. Handgreiflichkeiten konnten aber nicht beobachtet werden.

Sieben mutige Doktorandinnen und Doktoranden stellten ihre Projekte vor – hier Madlen Karg.

 

Rangeleien und Gefühlseiswüsten

Beinahe handgreiflich wurde es aber in der Beratungspraxis, welche durch eine schlagkräftige Anzahl von Vertretern der Düsseldorfer Anwaltschaft vermittelt wurde. In einer eigens entwickelten Case Study führten die Doktoranden stellvertretend für ihre fiktive Mandantschaft Vergleichsgespräche in einem Kartellschadensersatzverfahren. Vier angeblichen Kartellsündern standen vier Geschädigte gegenüber. Ausgehend von individuell vorgegebenen Präferenzen ging es dann in die Vergleichsverhandlungen. Stellenweise liefen diese erfreulich konstruktiv. Wenn dann aber zwei nicht übereinkommende Vorstellung aufeinandertrafen, glichen die Verhandlungen eher Schlachtfeldern in der Gefühlseiswüste. Die Case Study bildete also eine breite Front an Situationen aus der Praxis ab.

Zum Glück stand jedem Team ein erfahrener Coach aus der Anwaltspraxis zur Seite, der im Notfall schlimmere Rangeleien verhindern und bei taktischen Fragen mit reichhaltigem Wissensschatz helfen konnte. Michael Dietrich und Arne Gayk (Herbert Smith Freehills) koordinierten die Case Study, Marc Besen und Christine Nowak (Clifford Chance), Christian Horstkotte (Baker McKenzie), Martin Raible (Gleiss Lutz), Rainer Velte (Heuking Kühn Lüer Wojtek) sowie Jörg Witting (Bird & Bird) verdingten sich als Coaches. 

Hatten mindestens so viel Spaß wie die Doktoranden: Das hochkarätige Anwaltsteam, das die Case Study betreute.

An dieser Stelle ist ein ganz großer Dank an die Coaches und Organisatoren auszusprechen! Das Feedback zur Case Study war überwältigend positiv. Aber auch den weiteren Förderern des Doktorandenseminars, ohne die die Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre, sei unser Dank ausgesprochen: Zum Dinner lud Glade Michel Wirtz in die Kanzlei, Lunch wurde im Dreischeibenhaus von Gleiss Lutz serviert. Neben den bereits erwähnten sind hier noch Hengeler Müller und Linklaters zu nennen.

Fazit

Fazit: Das lief gut! Die Evaluationen waren eindrucksvoll positiv. Die Doktorandinnen und Doktoranden fahren wieder in den Elfenbeinturm zurück, die Profis aus Behörden und Kanzleien gehen zurück in den Real-Modus und die Professoren (Christian Kersting und Rupprecht Podszun, die geschäftsführenden Direktoren des Düsseldorfer Instituts für Kartellrecht, begleiteten das Seminar) dürfen sich auf noch bessere, vielleicht sogar noch umfangreichere Arbeiten freuen. Das zweite Düsseldorfer Doktorandenseminar wird also – hoffentlich – nicht das letzte seiner Art gewesen sein.


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