{"id":8166,"date":"2022-09-14T21:44:52","date_gmt":"2022-09-14T19:44:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.d-kart.de\/?p=8166"},"modified":"2025-06-23T14:54:13","modified_gmt":"2025-06-23T12:54:13","slug":"conference-debriefing-32-5-offenes-doktorandenseminar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/blog\/2022\/09\/14\/conference-debriefing-32-5-offenes-doktorandenseminar\/","title":{"rendered":"Conference Debriefing (32): 5. Offenes Doktorandenseminar"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Das Institut f\u00fcr Kartellrecht der HHU D\u00fcsseldorf (IKartR) lud am 5. und 6. September zum mittlerweile f\u00fcnften Mal zum Doktorandenseminar im Kartellrecht ein und setzte damit eine Reihe fort, die als Tradition bezeichnet werden kann. In diesem Jahr konnte das Seminar nach zwei Corona-Jahren erstmals wieder traditionsgem\u00e4\u00df im&nbsp;Haus&nbsp;der&nbsp;Universit\u00e4t&nbsp;in der D\u00fcsseldorfer Innenstadt abgehalten werden.&nbsp;<strong>Philipp Offergeld<\/strong>, <strong>Nils Overhoff<\/strong> und <strong>Severin Stratmann<\/strong> berichten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Wochenanfang in D\u00fcsseldorf mit Kartellrecht f\u00fchlt sich an wie ein Wochenende<\/h2>\n\n\n\n<p>Mit diesem Motto begannen Rupprecht Podszun und Christian Kersting die Begr\u00fc\u00dfung und stimmten auf die kommenden Tage ein. Bereits zum Auftakt der Veranstaltung wurde das Kartellrecht von zwei G\u00e4sten, Richterin am OLG D\u00fcsseldorf Alexandra Poling-Fleu\u00df und dem D\u00fcsseldorfer \u00d6konom Prof. Dr. Paul Heidhues, aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Alexandra Poling-Fleu\u00df, die stellvertretende Vorsitzende des 1. Kartellsenats des OLG D\u00fcsseldorf f\u00fchrte in ein Verfahren \u00fcber Entgelte f\u00fcr die Nutzung der Breitbandkabelanlagen ein, das den Senat schon seit 2018 besch\u00e4ftigt. Den Zuschauern wurde das Ping-Pong zwischen Bundesgerichtshof und OLG D\u00fcsseldorf auch live vorgef\u00fchrt: Im Rahmen der sich an ihren Vortrag anschlie\u00dfenden Fragerunde lieferten sich Frau Poling-Fleu\u00df und der ebenfalls anwesende Prof. Dr. Peter Meier-Beck, der ehemalige Vorsitzende Richter des Kartellsenats des Bundesgerichtshofs, einen Live-Austausch zu den unterschiedlichen Standpunkten der Gerichte.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dieser aufregenden Einf\u00fchrung in den kartellrechtlichen Instanzenzug folgte ein volkswirtschaftlicher Vortrag von Prof. Dr. Paul Heidhues, der sein Modell zu den Auswirkungen von Konsumentenschutz und Regulierung auf den Wettbewerb vorstellte. Der Vortrag begann mit der Erkenntnis, dass die Aufmerksamkeit von Verbrauchern begrenzt sei und dies in den Wettbewerbsmodellen auf Verbraucherm\u00e4rkten ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcsse. Der Vortrag endete mit der \u00fcberraschenden Erkenntnis, dass Verbraucherschutz Vertrauen in M\u00e4rkte schafft und so den Wettbewerb zwischen Unternehmen entfachen und f\u00f6rdern kann. Regulierung k\u00f6nne hier zu effizienteren Marktergebnissen f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Doktorandengespr\u00e4che 1. Runde<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Im Zentrum der Veranstaltung standen&nbsp;aber nat\u00fcrlich die Doktorandenvortr\u00e4ge. Die jungen Wissenschaftler erhalten hier die M\u00f6glichkeit, ihre bisherige Arbeit einem etwas gr\u00f6\u00dferen, fachkundigen Publikum und vor allem ihren \u201ePeers\u201c vorzustellen. Den Anfang machten Julian Stegerer zur Feststellung der Zahlungsunf\u00e4higkeit des Rechtstr\u00e4gers einer Unternehmensvereinigung nach \u00a7&nbsp;81b Abs.&nbsp;1 GWB und Marcel Schr\u00f6der zu personalisierten Preisen. Die Gespr\u00e4che fanden in getrennten R\u00e4umen statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Julian Stegerer besch\u00e4ftigt sich mit der Frage, wie verhindert werden kann, dass sich Unternehmen und die von ihnen wirtschaftlich getragenen Personenvereinigungen der Verantwortung entziehen. Stegerer zeigte dazu auf, dass die auf europ\u00e4ischem Recht beruhende Regelung in \u00a7 81b Abs. 1 GWB&nbsp;noch zahlreiche verfahrens- und insolvenzrechtliche Fragen offenl\u00e4sst und hier erheblicher Forschungsbedarf besteht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"684\" height=\"378\" src=\"https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8175\" srcset=\"https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/1.jpg 684w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/1-300x166.jpg 300w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/1-600x332.jpg 600w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/1-440x243.jpg 440w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/1-489x270.jpg 489w\" sizes=\"auto, (max-width: 684px) 100vw, 684px\" \/><figcaption>Julian Stegerer erl\u00e4utert die T\u00fccken des \u00a7&nbsp;81b Abs.&nbsp;1 GWB<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Marcel Schr\u00f6der forscht zu personalisierten Preisen, deren kartellrechtliche Bedeutung und der Frage, inwiefern diese \u00fcberhaupt eine Wettbewerbsbeeintr\u00e4chtigung darstellen k\u00f6nnen. Dazu kl\u00e4rte Schr\u00f6der die Zuh\u00f6rerschaft zun\u00e4chst dar\u00fcber auf, inwiefern personalisierte Preise aus \u00f6konomischer Sicht einen Schaden darstellen k\u00f6nnen, bevor er anhand verschiedener wettbewerbstheoretischer Leitbilder darlegt, dass personalisierte Preise den Wettbewerb durchaus beeintr\u00e4chtigen k\u00f6nnen. Die Praktiker \u2013 insbesondere in der Richterschaft\u2013 m\u00fcssen sich aber dennoch keine allzu gro\u00dfen Sorgen machen: Eine Preiskontrolle h\u00e4lt er aus kartellrechtlicher Sicht nur als Ultima Ratio f\u00fcr notwendig.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Doktorandengespr\u00e4che 2. Runde<\/h2>\n\n\n\n<p>In der zweiten Runde stellten Svea Stratmann und Sim\u00f3n Maturana ihre Dissertationsvorhaben vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Svea Stratmann pr\u00e4sentierte die Ergebnisse ihrer (fast) fertigen Dissertation und erl\u00e4uterte, warum die Insolvenzgeldvorfinanzierung, welches das \u201ebedeutendste Sanierungs\u00adinstrument\u201c sei, unter die beihilferechtliche Lupe genommen werden muss, aber im Ergebnis als beihilferechtlich unproblematisch einzustufen ist. Nach einer kurzen Einf\u00fchrung in die Mechanismen des Insolvenzverfahrens, Insolvenzgeldes und der Konstruktion der Insolvenzgeld-Vorfinanzierung sprang Stratmann in die Tiefen des Beihilferechts und leitete her, warum nach den Ma\u00dfst\u00e4ben des EU-Beihilferechts die Insolvenzgeldvorfinanzierung unproblematisch ist. Die kurze Antwort lautete: Weil das Insolvenzgeld den Arbeitnehmern zugutekommt und das Unternehmen nur mittelbar entlastet wird und daher keine der Bundesrepublik zurechenbare Beg\u00fcnstigung des jeweiligen Unternehmens vorliegt. Wer die lange Antwort wissen will, wird auf das Erscheinen der Dissertation von Svea Stratmann warten m\u00fcssen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zu einem Thema, das bei einem kartellrechtlichen Doktorandenseminar nicht fehlen darf, trug dann Sim\u00f3n Maturana vor: Fusionskontrolle. In seiner (ebenfalls fast fertigen) Dissertation besch\u00e4ftigt sich Maturana mit der Frage, inwiefern die vielen Informationen, die mittlerweile innerhalb von Zusammenschlussverfahren aufgrund des\u00a0<em>more economic approach\u00a0<\/em>der Kommission erzeugt werden, \u00fcberhaupt noch sinnstiftend verarbeitet werden k\u00f6nnen. Dabei wies er in seinem Vortrag darauf hin, dass mit zunehmender Informationsdichte die Kosten den Nutzen \u00fcbersteigen \u2013 vor allem bei den fusionswilligen Unternehmen \u2013 und daraus insbesondere auch Konflikte mit dem Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeitsgrundsatz entstehen k\u00f6nnen, der von der Kommission ebenso wie der Beschleunigungsgrundsatz und die sonstigen Verteidigungsrechte der Unternehmen zu ber\u00fccksichtigen sei.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"891\" src=\"https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Unbenannt-1024x891.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8177\" srcset=\"https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Unbenannt-1024x891.png 1024w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Unbenannt-300x261.png 300w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Unbenannt-768x668.png 768w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Unbenannt-600x522.png 600w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Unbenannt-440x383.png 440w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Unbenannt-310x270.png 310w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Unbenannt.png 1225w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Sim\u00f3n Maturana zur Wissensgenerierung in der Fusionskontrolle<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Doktorandengespr\u00e4che 3. Runde<\/h2>\n\n\n\n<p>In der dritten und f\u00fcr den ersten Tag letzten Runde der Doktorandengespr\u00e4che setzten sich Eleni Katopodi mit Blockchains und Leon K\u00fcmmel mit Kartellrecht und Nachhaltigkeit aus v\u00f6lkerrechtlicher Perspektive auseinander.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eleni Katopodi wagte sich mit ihrem Thema, n\u00e4mlich der Frage nach der Anwendbarkeit von Art.&nbsp;102 AEUV auf die&nbsp;<em>distributed ledger<\/em>-Technologie, auf ein h\u00f6chst spannendes, aber auch komplexes Gebiet, das wahrscheinlich gerade aufgrund ebendieser Komplexit\u00e4t bisher jedenfalls in der Kartellrechtspraxis nur wenig Widerhall gefunden hat. Nach einer kurzen Einf\u00fchrung in die technischen Grundlagen der Blockchain zeigte Katopodi auf, dass die Blockchain ein besonders gro\u00dfes Potential f\u00fcr Missbrauchspraktiken bietet, die ggf. durch Art.&nbsp;102 AEUV erfasst sein k\u00f6nnten. Probleme sieht sie hier vor allem in der \u00dcbertrag- bzw. Anwendbarkeit klassischer Begriffe des Kartellrechts auf die Blockchain, so etwa der Marktabgrenzung und dem Unternehmensbegriff.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Leon K\u00fcmmel stellte die erste Konzeption seines Dissertationsprojekts vor, in dem er die Auswirkungen von umweltv\u00f6lkerrechtlichen Verpflichtungen der Europ\u00e4ischen Union auf die Anwendung des Kartellverbots nach Art.\u00a0101\u00a0AEUV beleuchtet. Beeindruckend ist, dass K\u00fcmmel sich schon zu einem so fr\u00fchen Zeitpunkt den ebenso konstruktiven wie kritischen Fragen der Doktorandinnen und Doktoranden sowie der G\u00e4ste erfolgreich gestellt hat und seine \u00dcberlegungen zu umweltv\u00f6lkerrechtlichen Verpflichtungen der EU dargelegt hat. Als erstes Zwischenergebnis res\u00fcmierte K\u00fcmmel am Ende seines Vortrages, dass in der bisherigen Diskussion des Umweltschutzes im Rahmen der Art.\u00a0101, 102 AEUV das V\u00f6lkerrecht nicht hinreichend ber\u00fccksichtigt wurde und dieser Aspekt zu der L\u00f6sung des Spannungsverh\u00e4ltnisses zwischen Kartellrecht und Umweltschutz beitragen kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Promotionspreis: Dr. J\u00f6rn Kramer!<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>P\u00fcnktlich um 18 Uhr wurde dann der Promotionspreis des IKartR f\u00fcr herausragende wissenschaftliche Leistungen im Bereich Kartellrecht verliehen. Dieser von Herbert Smith Freehills gestiftete und mit 5.000 \u20ac dotierte Preis ging in diesem Jahr an Dr. J\u00f6rn Kramer f\u00fcr seine Dissertation zum Kartellschadensersatzrecht und konnte erstmals pers\u00f6nlich \u00fcberreicht werden. Die Laudatio von Christian Kersting zeigte, dass sich die M\u00fchen bis zur Vollendung der Dissertation lohnen. Vielen Dank f\u00fcr dieses wertvolle Werk und herzlichen Gl\u00fcckwunsch, auch von unserer Seite! Welche spannenden Werke sonst in letzter Zeit im Bereich des Kartellrechts erschienen sind, k\u00f6nnen Sie \u00fcbrigens unserer\u00a0<a href=\"https:\/\/www.d-kart.de\/blog\/2018\/11\/23\/die-diss-list\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Diss-List<\/a>\u00a0entnehmen!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"684\" src=\"https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/12412-1024x684.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8178\" srcset=\"https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/12412-1024x684.jpg 1024w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/12412-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/12412-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/12412-600x401.jpg 600w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/12412-440x294.jpg 440w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/12412-404x270.jpg 404w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/12412-1320x881.jpg 1320w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/12412.jpg 1390w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Der Doktorvater, der Preistr\u00e4gers sowie Dr. Marius B\u00f6we und Dr. Florian Huerkamp von Herbert Smith Freehills (v.l.n.r.)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kamingespr\u00e4ch mit Martijn Snoep<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ein H\u00f6hepunkt jagte den n\u00e4chsten: Ohne Pause ging es von der Preisverleihung zum Kamingespr\u00e4ch mit Martijn Snoep, dem Vorsitzenden der niederl\u00e4ndischen Kartellbeh\u00f6rde (Autoriteit Consument &amp; Markt) \u00fcber. Die Bedeutung von Snoep kann nicht \u00fcbersch\u00e4tzt werden, \u201eseine\u201c Beh\u00f6rde ist \u2013 neben dem kartellrechtlichen Mandat \u2013 zugleich Verbraucherschutzbeh\u00f6rde und ist unter anderem f\u00fcr die Regulierung des Energie- und Eisenbahnnetzes zust\u00e4ndig. Aus deutscher Sicht handelt es sich also um eine Super-Beh\u00f6rde mit sehr weitem Zust\u00e4ndigkeitsbereich, die in den letzten Jahren durch einige Entscheidungen aus dem Bereich Nachhaltigkeit und Kartellrecht auf sich aufmerksam gemacht hat.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Die ersten Fragen drehten sich um den DMA und die Aufgaben, die auf Kartellbeh\u00f6rden bei dessen Durchsetzung zukommen werden. An den bereits angesprochenen Elefanten im Raum, n\u00e4mlich den Umgang der von Snoep gef\u00fchrten Beh\u00f6rde mit Nachhaltigkeitserw\u00e4gungen im Kartellrecht, traute sich lange niemand heran. Erst Moderator Rupprecht Podszun brach das Eis \u2013 die aufschlussreichen und oft witzigen Antworten bleiben vertraulich &#8211; Kamingespr\u00e4ch eben.<\/p>\n\n\n\n<p>Verraten sei aber, dass Snoep \u2013 erfrischend offenherzige \u2013 Einblicke in den pers\u00f6nlichen beruflichen Werdegang gab. Er erz\u00e4hlte, wieso er sich nach knapp 30 Jahren in einer Gro\u00dfkanzlei entschied, in den \u00f6ffentlichen Dienst zu wechseln. Seit seinem Wechsel stehe er jeden Morgen mit der Frage auf, welche Ungerechtigkeit er heute bek\u00e4mpfen k\u00f6nne. Die Fragerunde endete mit dem Rat an alle Nachwuchskartellrechtler, dass sie das Promotionsstudium genie\u00dfen und sich nicht scheuen sollten, sich etwas mehr Zeit zu lassen, weil die Arbeit im sp\u00e4teren Leben das Fassen kreativer, wissenschaftlicher Gedanken erheblich erschweren wird. An diesen Rat halten wir uns doch gerne!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/CPFJ7651-1-683x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8182\" srcset=\"https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/CPFJ7651-1-683x1024.png 683w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/CPFJ7651-1-200x300.png 200w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/CPFJ7651-1-768x1152.png 768w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/CPFJ7651-1-600x900.png 600w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/CPFJ7651-1-1024x1536.png 1024w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/CPFJ7651-1-1366x2048.png 1366w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/CPFJ7651-1-440x660.png 440w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/CPFJ7651-1-180x270.png 180w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/CPFJ7651-1-1320x1980.png 1320w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/CPFJ7651-1.png 1667w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption>Authentische Kaminzimmeratmosph\u00e4re beim Kamingespr\u00e4ch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Abendprogram<\/strong>m<\/h2>\n\n\n\n<p>Nach getaner Arbeit ging man zum Vergn\u00fcgen \u00fcber. Nach einem kurzen Fu\u00dfmarsch zu den Kanzleir\u00e4umlichkeiten von Glade Michel Wirtz wurden sogleich Getr\u00e4nke gereicht und nach einem kurzen Gru\u00dfwort auch das Flying-Buffet er\u00f6ffnet. Der Abend erm\u00f6glichte den ausgiebigen Austausch zwischen Doktorandinnen und Doktoranden untereinander und er\u00f6ffnete Gelegenheiten, wertvolle Kontakte f\u00fcr die eigene Dissertation oder eine sp\u00e4tere Berufst\u00e4tigkeit zu kn\u00fcpfen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Dienstag: Moot Court der anderen Art<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der zweite Tag des Doktorandenseminars begann in aller Fr\u00fche um 9:00 Uhr erneut im Haus der Universit\u00e4t. Jetzt waren alle Doktorandinnen und Doktoranden\u00a0\u00a0gefragt, es gab eine Case Study, ma\u00dfgeblich konzipiert von Rechtsanwalt Dr. Thomas L\u00fcbbig. In sechs Teams aufgeteilt ging es darum, aus einem knapp drei Seiten langen Sachverhalt zu einem wettbewerblich problematischen Verhalten Argumente f\u00fcr jeweils beide Seiten auszuarbeiten. Aus Team 1 und 2 mussten nach einer knapp zweist\u00fcndigen Vorbereitungszeit Doktorandinnen und Doktoranden die Verf\u00fcgung einer Kartellbeh\u00f6rde vor einem Verwaltungsgericht angreifen bzw. verteidigen. Vorsitzender dieser \u201em\u00fcndlichen Verhandlung\u201c war VorsRiBGH a.D. Prof. Dr. Peter Meier-Beck, wer h\u00e4tte daf\u00fcr besser qualifiziert sein k\u00f6nnen? Als Beisitzer fungierten die Rechtsanw\u00e4lte Beatrice Stange und Thorsten M\u00e4ger. Team 3 und 4 vertraten Kl\u00e4ger und Beklagte in einem fiktiven Follow-On Schadensersatzverfahren, bei dem als Vorsitzender VorsRiLG Dr. Gerhard Klumpe fungierte, der mit solchen Verfahren am LG Dortmund regelm\u00e4\u00dfig zu tun hat\u00a0(wir berichteten, siehe z.B.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.d-kart.de\/blog\/2020\/10\/07\/paukenschlag-in-dortmund-freie-schaetzung-von-kartellschaeden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a>). Ihm zur Seite: Die Anw\u00e4lte Carsten Grave und Thomas L\u00fcbbig. Team 5 und 6 sollten den Vorstand eines Unternehmens dazu beraten, ob ein Kronzeugenantrag wegen eines m\u00f6glicherweise verbotenen Informationsaustausches gestellt werden sollte, wobei Team 5 f\u00fcr einen solchen Antrag pl\u00e4dierte und Team 6 dagegen. Christian Horstkotte, Martin Raible und Niklas Andree spielten hier sehr \u00fcberzeugend den ersichtlich genervten Vorstand eines beteiligten Unternehmens. \u201eDie gibt mir irgendeinen Zeitungsartikel und das soll jetzt verboten sein?\u201c. F\u00fcr alle Beteiligten, egal ob Teilnehmer auf der \u201eB\u00fchne\u201c oder Zuschauer, war die Case Study ein gro\u00dfer Spa\u00df mit Lerneffekt. Den beteiligten Hochkar\u00e4tern aus Anwaltschaft und Justiz sei Dank!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"684\" src=\"https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/bla-1024x684.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8186\" srcset=\"https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/bla-1024x684.jpg 1024w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/bla-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/bla-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/bla-600x401.jpg 600w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/bla-440x294.jpg 440w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/bla-404x270.jpg 404w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/bla-1320x881.jpg 1320w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/bla.jpg 1390w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Team 5 k\u00e4mpft um die Gunst des Vorstandes.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Letzte Runde Doktorandenvortr\u00e4ge<\/h2>\n\n\n\n<p>Nach dem Mittagessen, diesmal gro\u00dfz\u00fcgig organisiert in den Kanzleir\u00e4umen von CMS Hasche Sigle, bei denen bei Fingerfood und Getr\u00e4nken erneut M\u00f6glichkeiten zum Austausch bestanden, ging es zur\u00fcck ins Haus der Universit\u00e4t. Die letzte Runde der Doktorandenvortr\u00e4ge wurde eingel\u00e4utet, wieder gab es zwei parallele Vortr\u00e4ge in getrennten R\u00e4umen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Besprechungsraum trug Adnan Toki\u0107&nbsp;zur wirtschaftlichen Einheit im Kartellschadensersatzrecht vor und zeichnete die Linien der europ\u00e4ischen Rechtsprechung nach, wie sie sich insbesondere nach den letzten Urteilen des EuGH in Skanska und Sumal ergeben \u2013 scharf beobachtet von der auf diesem Gebiet einschl\u00e4gig bekannten D\u00fcsseldorfer Prominenz in Gestalt von Prof. Dr. Christian Kersting und Jun.-Prof. Dr. Jannik Otto. Herausgestellt wurde von Toki\u0107, dass das europ\u00e4ische Kartellrecht als ein autonomer Rechtsbereich strikt von den nationalen gesellschaftsrechtlichen Rechtsordnungen zu trennen sei und insofern auch das gesellschaftsrechtliche Trennungsprinzip keinen absoluten Geltungsanspruch erheben k\u00f6nne. Vor diesem Hintergrund handele es sich laut&nbsp;Toki\u0107&nbsp;bei der wirtschaftlichen Einheit, wie sie in der Rechtsprechung des EuGH entwickelt worden ist, um eine zustimmungsw\u00fcrdige Rechtsfigur.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Saal stellte Christoph Dankers von der Europa-Universit\u00e4t Viadrina in Frankfurt (Oder) sein Dissertationsprojekt zu wettbewerbswidrigen Plattformarchitekturen vor. Mit Architekturen meint Dankers hier jegliches Design eines Angebots, mit dem die Entscheidungsfindung beeinflusst werden kann. Das analoge Beispiel w\u00e4re der Aufbau eines Supermarkts. Betrachtet wird die kartellrechtliche Zul\u00e4ssigkeit von solchen Plattformarchitekturen, mit dem der Verbraucher bei seiner Entscheidungsfindung manipuliert werden soll, eine bestimmte Entscheidung zu treffen. Besonders eing\u00e4ngig war, wie Dankers die relevante Manipulation von anderen Verhaltensweisen abgrenzte: Eine Manipulation liegt bei ihm nur bei Beeinflussungsversuchen vor, f\u00fcr die ein vollst\u00e4ndig rational handelnder Verbraucher blind w\u00e4re. So w\u00fcrde sich ein perfekt rational handelnder Verbraucher nicht davon beeinflussen lassen, dass bei einer Flugbuchung bereits einige kostenpflichtige Zubuchoptionen vorausgew\u00e4hlt sind.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/666-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8189\" srcset=\"https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/666-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/666-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/666-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/666-600x899.jpg 600w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/666-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/666-440x659.jpg 440w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/666-180x270.jpg 180w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/666.jpg 1225w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption>Christoph Dankers zu wettbewerbswidrigen Plattformarchitekturen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Verabschiedung<\/h2>\n\n\n\n<p>Nach der letzten Vortragsrunde ging es dann auch schnell zur Verabschiedung \u00fcber. Gedankt wurde insbesondere Dr. Patrick Hauser, der als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des D\u00fcsseldorfer Instituts f\u00fcr Kartellrecht das Seminar auf die Beine gestellt hatte. Auch an dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankesch\u00f6n, lieber Patrick, f\u00fcr diese gelungenen zwei Tage! Wir freuen uns, sp\u00e4testens im n\u00e4chsten Jahr, einige Gesichter wieder zu sehen, auch wenn die Doktorarbeit dann vielleicht schon abgeschlossen sein sollte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" data-id=\"8190\" src=\"https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/CPFJ8078-1024x683.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8190\" srcset=\"https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/CPFJ8078-1024x683.png 1024w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/CPFJ8078-300x200.png 300w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/CPFJ8078-768x512.png 768w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/CPFJ8078-600x400.png 600w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/CPFJ8078-1536x1024.png 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size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"8196\" src=\"https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMG_9603-1024x768.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-8196\" srcset=\"https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMG_9603-1024x768.png 1024w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMG_9603-300x225.png 300w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMG_9603-768x576.png 768w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMG_9603-600x450.png 600w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMG_9603-1536x1152.png 1536w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMG_9603-2048x1536.png 2048w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMG_9603-440x330.png 440w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMG_9603-360x270.png 360w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/IMG_9603-1320x990.png 1320w\" sizes=\"auto, 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Severin Stratmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl f\u00fcr B\u00fcrgerliches Recht sowie deutsches und internationales Unternehmens-, Wirtschafts- und Kartellrecht und Doktorand bei Prof. Kersting.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Institut f\u00fcr Kartellrecht der HHU D\u00fcsseldorf (IKartR) lud am 5. und 6. September zum mittlerweile f\u00fcnften Mal zum Doktorandenseminar im Kartellrecht ein und setzte damit eine Reihe fort, die als Tradition bezeichnet werden kann. In diesem Jahr konnte das Seminar nach zwei Corona-Jahren erstmals wieder traditionsgem\u00e4\u00df im&nbsp;Haus&nbsp;der&nbsp;Universit\u00e4t&nbsp;in der D\u00fcsseldorfer Innenstadt abgehalten werden.&nbsp;Philipp Offergeld, Nils Overhoff und Severin Stratmann berichten. 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