{"id":5445,"date":"2021-03-10T20:23:49","date_gmt":"2021-03-10T19:23:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.d-kart.de\/?p=5445"},"modified":"2021-03-10T20:38:38","modified_gmt":"2021-03-10T19:38:38","slug":"lg-dortmund-oertliche-zustaendigkeit-im-kartellschadensersatzprozess-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/blog\/2021\/03\/10\/lg-dortmund-oertliche-zustaendigkeit-im-kartellschadensersatzprozess-2\/","title":{"rendered":"LG Dortmund: \u00d6rtliche Zust\u00e4ndigkeit im Kartellschadensersatzprozess"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Das LG Dortmund hat in letzter Zeit mehrfach f\u00fcr Aufsehen im Kartellrecht gesorgt, zuletzt zur Schadenssch\u00e4tzung (<a href=\"https:\/\/www.d-kart.de\/blog\/2020\/10\/07\/paukenschlag-in-dortmund-freie-schaetzung-von-kartellschaeden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">wir berichteten<\/a>). In einem nun ver\u00f6ffentlichten Hinweisbeschluss \u00e4u\u00dfert sich das Gericht zur \u00f6rtlichen Zust\u00e4ndigkeit im Kartellschadensersatzprozess. <strong>Katharina Lugani<\/strong> hat den Beschluss unter die Lupe genommen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Einleitung<\/h2>\n\n\n\n<p>Der vorliegende <a href=\"https:\/\/www.justiz.nrw.de\/nrwe\/lgs\/dortmund\/lg_dortmund\/j2021\/8_O_15_18_Kart_Beschluss_20210210.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Hinweisbeschluss des LG Dortmund vom&nbsp;10.2.21 (8 O 15\/18 Kart<\/a>)&nbsp;besch\u00e4ftigt sich mit der \u00f6rtlichen Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr die Klage einer Zessionarin, die offenbar abgetretene Schadensersatzanspr\u00fcche von 30 Zedentinnen wegen kartellrechtswidrigen Verhaltens geltend macht. Die Entscheidung bietet interessante Einblicke einerseits in die Frage nach dem Erfolgsort i.S.d. \u00a7&nbsp;32 ZPO bei kartellrechtswidrigem Verhalten, andererseits in den Mechanismus und die Reichweite der Zust\u00e4ndigkeitsbestimmung nach \u00a7\u00a7&nbsp;36, 37 ZPO. Das Gericht beleuchtet und verneint in seinem Hinweisbeschluss schwerpunktm\u00e4\u00dfig einerseits, ob sich seine \u00f6rtliche Zust\u00e4ndigkeit aus \u00a7&nbsp;32 ZPO i.V.m. \u00a7&nbsp;1 Ziff. 2 KartKonzVO NRW ergibt (2.). Sodann er\u00f6rtert es die Voraussetzungen der gerichtlichen Zust\u00e4ndigkeitsbestimmung f\u00fcr den Fall der fehlenden gemeinsamen Zust\u00e4ndigkeit nach \u00a7&nbsp;36 I Nr.&nbsp;3 ZPO (3.).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. <strong>Gerichtsstand der unerlaubten Handlung (\u00a7&nbsp;32 ZPO) bei abgetretenen Anspr\u00fcchen wegen wettbewerbswidrigen Verhaltens<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Klagen aus unerlaubten Handlungen ist gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32 ZPO das Gericht zust\u00e4ndig, in dessen Bezirk die Handlung begangen ist. Der Begriff der &#8220;unerlaubten Handlung&#8221; ist im weiteren Sinn zu verstehen und umfasst jeden rechtswidrigen Eingriff in eine fremde Rechtssph\u00e4re, darunter auch die Haftung wegen Versto\u00dfes gegen kartellrechtliche Bestimmungen (Z\u00f6ller\/<em>Schultzky<\/em>, ZPO, 33. Aufl. 2020, \u00a7&nbsp;32 ZPO Rn.&nbsp;4, 11;&nbsp;M\u00fcKoZPO\/<em>Patzina<\/em>, 6. Aufl. 2020, ZPO \u00a7&nbsp;32 Rn.&nbsp;11). Begehungsort ist nach einhelliger Ansicht sowohl der Handlungsort (Ort, an dem der T\u00e4ter gehandelt hat), als auch der Erfolgsort (Ort, an dem in das gesch\u00fctzte Rechtsgut eingegriffen wurde) (vgl. nur BayObLG, Beschl. v. 30.4.2019 &#8211; 1 AR 30\/19, LSK 2019, 7913 = WuW 2019, 479 Rn.&nbsp;19 und Z\u00f6ller\/<em>Schultzky<\/em>, ZPO, 33. Aufl. 2020, \u00a7&nbsp;32 ZPO Rn.&nbsp;4; ebenso f\u00fcr die internationale Zust\u00e4ndigkeit bei unerlaubten Handlungen nach Art.&nbsp;7 Nr.&nbsp;2 Br\u00fcssel Ia-VO, vgl. nur EuGH, 29.7.2019, C-451\/18 \u2013&nbsp;<em>Tibor Trans<\/em>, BeckRS 2019, 15815 = NZKart 2019, 483 Rn.&nbsp;25; EuGH, 8.1.2015, C-375\/13 \u2013&nbsp;<em>Kolassa<\/em>, Rn.&nbsp;45; EuGH, 5.7.2018, C-27\/17 \u2013&nbsp;<em>flyLAL-Lithuanian Airlines<\/em>, Rn.&nbsp;28).<\/p>\n\n\n\n<p>Doch die Bestimmung des Erfolgsorts wirft hier angesichts der Vielschichtigkeit und Breite der Folgen kartellrechtswidrigen Verhaltens Probleme auf.&nbsp;<strong>Zum Teil<\/strong>&nbsp;wird f\u00fcr GWB-Verst\u00f6\u00dfe ein eher<strong>&nbsp;weites Verst\u00e4ndnis des Erfolgsorts<\/strong>&nbsp;vertreten, wonach der Erfolgsort \u00fcberall dort sein soll, wo sich die wettbewerbswidrige Verhaltensweise bestimmungsgem\u00e4\u00df ausgewirkt hat (Z\u00f6ller\/<em>Schultzky<\/em>, ZPO, 33. Aufl. 2020, \u00a7&nbsp;32 ZPO Rn.&nbsp;20.22; OLGR Hamburg 2008, 35;&nbsp;<em>Lettl<\/em>&nbsp;WRP 2014, 654 Rn.&nbsp;53).<\/p>\n\n\n\n<p>Dem tritt das LG Dortmund in der vorliegenden Entscheidung, wie auch schon in seiner Entscheidung vom 9.9.2020 (8 O 42\/18 [Kart] (<a href=\"https:\/\/openjur.de\/u\/2273628.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">openJur 2020, 48903<\/a>)), entgegen. Daf\u00fcr st\u00fctzt es sich auf die zu Art.&nbsp;7 Nr.&nbsp;2 Br\u00fcssel Ia-VO und Art.&nbsp;101 AEUV&nbsp;<strong>ergangene Rechtsprechung&nbsp;<\/strong>des EuGH<strong>,&nbsp;<\/strong>wonach sich der Erfolgsort nicht auf jeden Ort erstreckt, an dem die sch\u00e4dlichen Folgen eines Ereignisses sp\u00fcrbar werden k\u00f6nnen; vielmehr ist danach zu unterscheiden, ob es sich um einen sich&nbsp;<strong>unmittelbar aus dem kausalen Ereignis ergebenden Erstschaden<\/strong>&nbsp;handelt, oder lediglich um die darauffolgenden nachteiligen Konsequenzen, die keine Zust\u00e4ndigkeitszuweisung zu begr\u00fcnden verm\u00f6gen (EuGH, 29.7.2019, C-451\/18 \u2013&nbsp;<em>Tibor Trans,&nbsp;<\/em>BeckRS 2019, 15815 =<em>&nbsp;<\/em>NZKart 2019, 483; vgl. auch EuGH, 8.1.2015, C-375\/13 &#8211;&nbsp;<em>Kolassa<\/em>, Rn.&nbsp;48 f.; EuGH, 5.7.2018, C-27\/17 &#8211;&nbsp;<em>flyLAL-Lithuanian Airlines<\/em>, Rn.&nbsp;32)<em>.<\/em>&nbsp;Das LG Dortmund \u00fcbertr\u00e4gt zu Recht diese EuGH-Entscheidung in den nationalen Kontext des \u00a7&nbsp;32 ZPO. Dies hatte es bereits im September vergangenen Jahres entschieden (Beschl. v. 9.9.2020, 8 O 42\/18 [Kart]) und best\u00e4tigt es nun. Entsprechend hatte auch das BayObLG (Beschl. v. 30.4.2019 &#8211; 1 AR 30\/19, LSK 2019, 7913 = WuW 2019, 479) die EuGH-Rechtsprechung im Fall&nbsp;<em>CDC Hydrogen Peroxide<\/em>&nbsp;zu Art.&nbsp;7 Nr.&nbsp;2 Br\u00fcssel Ia-VO (genauer: Art.&nbsp;5 Nr.&nbsp;3 EuGVVO a.F.) zur Auslegung des \u00a7&nbsp;32 ZPO herangezogen (EuGH, Urt. v. 21.05.2015,&nbsp;C-352\/13&nbsp;\u2013&nbsp;<em>CDC Hydrogen Peroxide<\/em>, Rn.&nbsp;56; dagegen&nbsp;LG M\u00fcnchen I,&nbsp;Urt. v. 7.2.2020 \u2013 37 O 18934\/17, Rn.&nbsp;111). Freilich ist die Br\u00fcssel Ia-VO vorliegend mangels internationalen Bezugs nicht einschl\u00e4gig und freilich hat \u00a7&nbsp;32 ZPO keine europarechtliche Grundlage, die eine unionsrechtskonforme Auslegung gebieten w\u00fcrde (LG M\u00fcnchen I,&nbsp;Urt. v. 7.2.2020 \u2013 37 O 18934\/17, Rn.&nbsp;111). Die \u00dcbertragung der EuGH-Rechtsprechung \u00fcberzeugt gleichwohl. Dies findet seinen Grund vor allem in der \u00dcberzeugungskraft der EuGH-Rechtsprechung, die sich in der Sache auf \u00a7&nbsp;32 ZPO ebenso wie auf Art.&nbsp;7 Nr.&nbsp;2 Br\u00fcssel Ia-VO bezieht (wobei dem&nbsp;LG M\u00fcnchen I [Urt. v. 7.2.2020 \u2013 37 O 18934\/17, Rn.&nbsp;111] zuzugeben ist, dass&nbsp;die besonderen Gerichtsst\u00e4nde der ZPO, anders als die der Br\u00fcssel Ia-VO, nicht eng auszulegen sind). Gerade die Aspekte der Vorhersehbarkeit f\u00fcr die Kartellanten und der Gleichlauf mit dem anwendbaren Recht (Art.&nbsp;6 III Rom II-VO) (EuGH, 29.7.2019, C-451\/18 \u2013&nbsp;<em>Tibor Trans,&nbsp;<\/em>BeckRS 2019, 15815 =<em>&nbsp;<\/em>NZKart 2019, 483 Rn.&nbsp;34, 35) und allgemein die Tendenz zur Eind\u00e4mmung eines uferlosen Kl\u00e4gergerichtsstands (<em>Grothaus\/Haas<\/em>, EuZW 2019, 794, 796) \u00fcberzeugen auch f\u00fcr \u00a7&nbsp;32 ZPO.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Verm\u00f6genssch\u00e4den durch kartellrechtswidriges Verhalten liegt der Erfolgsort grunds\u00e4tzlich am&nbsp;<strong>Sitz des Gesch\u00e4digten<\/strong>&nbsp;(BGH, Beschl. v. 23.10.2018, X ARZ 252\/18 \u2013&nbsp;<em>Zuckerkartell,&nbsp;<\/em>NZKart 2018, 579 = WuW 2019, 477 Rn.&nbsp;17;&nbsp;BayObLG, Beschl. v. 30.4.2019 &#8211; 1 AR 30\/19, LSK 2019, 7913 = WuW 2019, 479 Rn.&nbsp;19 unter Verweis auf&nbsp;BGH, Urt. v. 28.2.1996, XII ZR 181\/93, BGHZ 132, 105\/111; EuGH, Urt. v. 21.5.2015, C-352\/13 &#8211;&nbsp;<em>CDC Hydrogen Peroxide<\/em>, Rn.&nbsp;52; EuGH, Urt v. 16.7.2009, C-189\/08 \u2013&nbsp;<em>Zuid-Chemie,<\/em>&nbsp;Rn.&nbsp;27). Dies ist bei einer Zession sinnvollerweise der&nbsp;<strong>Zedent<\/strong>, nicht der Zessionar (BGH, Beschl. v. 23.10.2018, X ARZ 252\/18 \u2013&nbsp;<em>Zuckerkartell,&nbsp;<\/em>NZKart 2018, 579 = WuW 2019, 477 Rn.&nbsp;17;&nbsp;LG M\u00fcnchen I,&nbsp;Urt. v. 7.2.2020 \u2013 37 O 18934\/17, Rn.&nbsp;109).&nbsp;Die Gesellschaftssitze von 22 der 30 Zedentinnen liegen nicht im Bezirk des Oberlandesgerichts Hamm, somit auch nicht im Bezirk des LG Dortmund als Kartellgericht. Folglich ist das LG Dortmund nicht bereits nach \u00a7 32 ZPO zust\u00e4ndig. Weitere Gerichtsst\u00e4nde sind hier offenbar nicht naheliegend.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. <strong>Voraussetzungen und Folgen der gerichtlichen Bestimmung der Zust\u00e4ndigkeit (\u00a7\u00a7&nbsp;36, 37 ZPO)<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>In Betracht kommt aber eine Zust\u00e4ndigkeitsbestimmung gem\u00e4\u00df \u00a7 36 I Nr.&nbsp;3 ZPO. Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;36 I Nr.&nbsp;3 ZPO wird das \u201ezust\u00e4ndige Gericht \u2026 durch das im Rechtszug zun\u00e4chst h\u00f6here Gericht bestimmt\u201c, wenn \u201emehrere Personen, die bei verschiedenen Gerichten ihren allgemeinen Gerichtsstand haben, als Streitgenossen im allgemeinen Gerichtsstand verklagt werden sollen und f\u00fcr den Rechtsstreit ein gemeinschaftlicher besonderer Gerichtsstand nicht begr\u00fcndet ist\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>a.<\/strong>&nbsp;Ein&nbsp;<strong>gemeinschaftlicher besonderer Gerichtsstand<\/strong>&nbsp;\u2013 hier kommt allein \u00a7&nbsp;32 ZPO in Betracht \u2013 ist&nbsp;<strong>nicht begr\u00fcndet<\/strong> (s.o.).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>b.&nbsp;<\/strong>Es schadet vorliegend nicht, dass die Klage offensichtlich bereits&nbsp;<strong>rechtsh\u00e4ngig<\/strong>&nbsp;ist. Man geht sinnvollerweise davon aus, dass trotz des Wortlauts des \u00a7&nbsp;36 I Nr.&nbsp;3 ZPO (\u201everklagt werden sollen\u201c) eine Entscheidung \u00fcber die Zust\u00e4ndigkeit&nbsp;<strong>auch noch nach Klageerhebung<\/strong>&nbsp;angestrebt werden kann (st. Rspr., z.B. BayObLG, Beschl. v. 30.4.2019 &#8211; 1 AR 30\/19, LSK 2019, 7913 = WuW 2019, 479 Rn.&nbsp;14 m.w.N.).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>c.&nbsp;<\/strong>Das LG Dortmund legt auch dar\u00fcber hinaus ein relatives extensives, aber \u00fcberzeugendes Verst\u00e4ndnis des \u00a7&nbsp;36 I Nr.&nbsp;3 ZPO an den Tag. So schadet es nicht,<strong>&nbsp;<\/strong>dass die&nbsp;<strong>Personenmehrheit<\/strong>&nbsp;<strong>auf Kl\u00e4gerseite<\/strong>&nbsp;statt auf Beklagtenseite besteht. Der Wortlaut der Norm bezieht sich zwar auf die Situation, dass die Personenmehrheit auf Beklagtenseite besteht (\u201emehrere Personen, die bei verschiedenen Gerichten ihren allgemeinen Gerichtsstand haben,&nbsp;<em>als Streitgenossen&nbsp;<\/em>im allgemeinen Gerichtsstand<em>&nbsp;verklagt<\/em>&nbsp;werden sollen\u201c). Doch nach der Rechtsprechung des BGH ist \u00a7&nbsp;36 I Nr.&nbsp;3 ZPO entsprechend anwendbar, wenn mehrere Kl\u00e4ger ihre Anspr\u00fcche in subjektiver Klageh\u00e4ufung geltend machen wollen und ein gemeinsamer Gerichtsstand hierf\u00fcr nicht er\u00f6ffnet ist, sofern zwischen ihnen ein Zusammenhang im Sinne von \u00a7&nbsp;60 oder \u00a7&nbsp;260 ZPO besteht; dies gilt nicht, wenn mehrere Kl\u00e4ger Anspr\u00fcche geltend machen, f\u00fcr die aufgrund einer besonderen Regelung ausschlie\u00dflich das Gericht am allgemeinen Gerichtsstand des jeweiligen Kl\u00e4gers zust\u00e4ndig ist. Die Prozess\u00f6konomie spricht daf\u00fcr, eine gemeinsame Geltendmachung der Anspr\u00fcche zu erm\u00f6glichen (BGH, Beschl. v. 23.10.2018, X ARZ 252\/18 \u2013&nbsp;<em>Zuckerkartell<\/em>, NZKart 2018, 579 = WuW 2019, 477, Rn.&nbsp;19; BGH, Beschl. v. 7.7.1972 &#8211; I ARZ 112\/72, NJW 1972, 1861 Rn.&nbsp;7).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sodann schadet nicht, dass wir es offenbar mit einer Mehrzahl Gesch\u00e4digter (Zedentinnen) aber mit nur&nbsp;<em>einer<\/em>&nbsp;Kl\u00e4gerin (Zessionarin) zu tun haben.&nbsp;Allein die Kl\u00e4gerin ist<strong>&nbsp;Klagepartei&nbsp;<\/strong>ist; die f\u00fcr die eben geschilderte entsprechende Anwendung von \u00a7&nbsp;36 I Nr.&nbsp;3 ZPO erforderliche&nbsp;<strong>Personenmehrheit<\/strong>&nbsp;bezieht nicht auf die Stellung als Partei, sondern auf die Stellung als&nbsp;<strong>Gesch\u00e4digte<\/strong>. Doch dies schadet nicht (ebenso&nbsp;BayObLG, Beschl. v. 30.4.2019 &#8211; 1 AR 30\/19, LSK 2019, 7913 = WuW 2019, 479 Rn.&nbsp;29; ebenso&nbsp;M\u00fcKoZPO\/<em>Patzina<\/em>, 6. Aufl. 2020, ZPO \u00a7&nbsp;32 Rn.&nbsp;27). Dieses Szenario (Zession) war auch die Konstellation, die der Entscheidung des BGH vom Oktober 2018 zugrunde lag (BGH, Beschl. v. 23.10.2018, X ARZ 252\/18 \u2013&nbsp;<em>Zuckerkartell,&nbsp;<\/em>NZKart 2018, 579 = WuW 2019, 477).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>d.&nbsp;<\/strong>Ferner bedarf es eines&nbsp;<strong>Antrags<\/strong>, eine Entscheidung nach \u00a7 36 I Nr. 3 ZPO herbeizuf\u00fchren (BGH, Beschl. v. 7.3.1991 \u2013 I ARZ 15\/91 = NJW-RR 1991, 767, Rn.&nbsp;7-10; OLG M\u00fcnchen, B.v. 25.01.2018 \u2013 34 AR 216\/17 = MDR 2018, 550, Rn.&nbsp;4 f.; Z\u00f6ller\/<em>Schultzky<\/em>, ZPO, 33. Aufl. 2020, \u00a7&nbsp;37 ZPO Rn.&nbsp;2). Der Kl\u00e4ger kann ein sch\u00fctzenswertes Interesse daran haben, in den von \u00a7&nbsp;36 I Nr.&nbsp;3 ZPO das Verfahren vor verschiedenen Gerichten zu f\u00fchren, ihm sollte daher nicht qua \u00a7&nbsp;36 I Nr.&nbsp;3 ZPO eine gemeinsame Zust\u00e4ndigkeit aufgezwungen werden (BGH, Beschl. v. 7.3.1991 \u2013 I ARZ 15\/91 = NJW-RR 1991, 767, Rn.&nbsp;9). Ein solcher lag hier vor.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>e.<\/strong>&nbsp;Liegen die Voraussetzungen des \u00a7&nbsp;36 ZPO vor, wird das im Rechtszug n\u00e4chsth\u00f6here Gericht \u2013 das OLG \u2013 das zust\u00e4ndige Gericht bestimmen. Bei der Bestimmung des zust\u00e4ndigen Gerichts stehen&nbsp;<strong>Prozess\u00f6konomie und Zweckm\u00e4\u00dfigkeit<\/strong>&nbsp;im Vordergrund (BGH, Beschl. v. 23.10.2018, X ARZ 252\/18 \u2013 Zuckerkartell, NZKart 2018, 579 = WuW 2019, 477 Rn.&nbsp;29; BGH, Beschl. v. 20.5.2008 &#8211; X ARZ 98\/08, NJW-RR 2008, 1514 Rn.&nbsp;20). F\u00fcr den vorliegenden Fall, so das LG Dortmund, folgt daraus keine besonders sichere Prognose der Zuordnung des Rechtsstreits an das LG Dortmund.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Die spannende und \u00fcberzeugende Entscheidung formt die bereits reichhaltige und zunehmende Kasuistik zum Erfolgsort bei Kartellschadensersatzstreitigkeiten weiter aus. Auf den Fortgang des Verfahrens darf man gespannt sein.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"220\" height=\"332\" src=\"https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/csm_h_00229640_kl_sw_4c0b915d12.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5457\" srcset=\"https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/csm_h_00229640_kl_sw_4c0b915d12.jpg 220w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/csm_h_00229640_kl_sw_4c0b915d12-199x300.jpg 199w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/csm_h_00229640_kl_sw_4c0b915d12-179x270.jpg 179w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Prof. Dr. Katharina Lugani ist Inhaberin des Lehrstuhls f\u00fcr deutsches, europ\u00e4isches und internationales Privat- und Verfahrensrecht an der Juristischen Fakult\u00e4t der Heinrich-Heine-Universit\u00e4t<\/em> <em>D\u00fcsseldorf<\/em>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das LG Dortmund hat in letzter Zeit mehrfach f\u00fcr Aufsehen im Kartellrecht gesorgt, zuletzt zur Schadenssch\u00e4tzung (wir berichteten). In einem nun ver\u00f6ffentlichten Hinweisbeschluss \u00e4u\u00dfert sich das Gericht zur \u00f6rtlichen Zust\u00e4ndigkeit im Kartellschadensersatzprozess. Katharina Lugani hat den Beschluss unter die Lupe genommen. 1. Einleitung Der vorliegende Hinweisbeschluss des LG Dortmund vom&nbsp;10.2.21 (8 O 15\/18 Kart)&nbsp;besch\u00e4ftigt sich mit der \u00f6rtlichen Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr die Klage einer Zessionarin, die offenbar abgetretene Schadensersatzanspr\u00fcche von 30 Zedentinnen wegen kartellrechtswidrigen Verhaltens geltend macht. Die Entscheidung bietet interessante&#8230;<\/p>\n<p class=\"read-more\"><a class=\"btn btn-default\" href=\"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/blog\/2021\/03\/10\/lg-dortmund-oertliche-zustaendigkeit-im-kartellschadensersatzprozess-2\/\"> Read More<span class=\"screen-reader-text\">  Read More<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":5451,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[365,364],"class_list":["post-5445","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag-kartellschadensersatz","tag-zustaendigkeit"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.0","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5445","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5445"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5445\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5464,"href":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5445\/revisions\/5464"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5451"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5445"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5445"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5445"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}