{"id":1538,"date":"2018-12-12T18:13:01","date_gmt":"2018-12-12T17:13:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.d-kart.de\/?p=1538"},"modified":"2018-12-12T20:31:40","modified_gmt":"2018-12-12T19:31:40","slug":"breaking-news-demokratischer-aufbruch-bei-der-studienvereinigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/blog\/2018\/12\/12\/breaking-news-demokratischer-aufbruch-bei-der-studienvereinigung\/","title":{"rendered":"Breaking News: Demokratischer Aufbruch bei der Studienvereinigung"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Es ist, als ob es Fr\u00fchling w\u00e4re, so kurz vor Weihnachten: Die Studienvereinigung Kartellrecht, der Verein der Kartellrechtsanw\u00e4lte, tagte heute in Bonn, und dort fand etwas geradezu Unerh\u00f6rtes statt: Wettbewerb um die Vorstandsposten. Wir waren zwar nicht dabei, aber &#8211; wie hei\u00dft es im Journalistensprech &#8211; uns liegen die Ergebnisse vor. Hier sozusagen als breaking news &#8211; und noch vor CNN! <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Ausgangslage<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Studienvereinigung Kartellrecht ist 1965 von 14 Anw\u00e4lten gegr\u00fcndet worden, die das Kartellrecht f\u00fcr sich entdeckt hatten. Die Namen des ersten Vorstands lesen sich heute wie Sterne auf dem deutschen Antitrust Walk of Fame: Herbert Axster,  Dietrich  Ehle, G\u00fcnther Wildanger, Hans   Hengeler,  Philipp  M\u00f6hring,  Heinz  Rowedder, Arved Deringer. Sie nannten das Studienvereinigung, weil es das Lehrbuch von Volker Emmerich und den Kommentar von Bechtold ja noch gar nicht gab. Also musste eine Lerngruppe her. 120 Mark war damals der Mitgliedsbeitrag (nach einer entry fee von 350 Mark). (Wir wissen das \u00fcbrigens aus der <a href=\"https:\/\/www.studienvereinigung-kartellrecht.de\/veranstaltungen\/50-jaehriges-jubilaeum\">Brosch\u00fcre zum 50. Geburtstag<\/a>.) Die jeweiligen Vorsitzenden hatten, nun ja, einen ausgepr\u00e4gten Sensus f\u00fcr Kontinuit\u00e4t: Herbert Axster blieb bis 1972 im Amt, dann \u00fcbernahm Alfred-Carl Gaedertz bis 1994, es folgte Cornelis Canenbley, der 2006 an Frank Montag \u00fcbergab. Und jetzt, es sind nicht einmal 12 Jahre um, da tritt Frank Montag schon wieder ab. <br><\/p>\n\n\n\n<p>Die Parallelen zur CDU dr\u00e4ngen sich nat\u00fcrlich in diesen Tagen auf, bei deren Parteitag in Hamburg entschieden ja 1001 Delegierte \u00fcber die Nachfolge von Frau Merkel, und kaum vorstellbar schien es eine Zeitlang, dass sie \u00fcberhaupt jemals ersetzt werden k\u00f6nnte. Elektrisiert, so hie\u00df es, waren die Christdemokraten, dass es Wahlkampf gab. Wie &#8220;verkaufen&#8221; sich die Kandidaten? Wer pl\u00e4diert f\u00fcr die Abschaffung welcher Grundrechte? Wer zieht die Strippen? Wer bietet &#8220;sp\u00e4tabends an der Tanzfl\u00e4che&#8221; noch Posten an? <\/p>\n\n\n\n<p>Aber ruhig Blut, liebe Leserinnen und Leser, wir schreiben heute nicht von der CDU, sondern von der Studienvereinigung, die nat\u00fcrlich f\u00fcr Wahlkampf viel zu fein ist. In dieser, sagen wir mal, &#8220;gehobenen Mittelschicht&#8221; der deutschen Juristenzunft geht es nur um eines: <em>competition on the merits.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Vorspiel<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Schon 1965 hatte die Studienvereinigung sieben Vorst\u00e4nde (bei 14 Mitgliedern insgesamt). Jetzt sollen es weit \u00fcber 1.000 Mitglieder sein, fast 550 stimmten heute ab, aber noch immer gibt es nur 7 Vorstandsposten plus jeweils einen Vorstand aus \u00d6sterreich und der Schweiz. Sieben Positionen, die in der Politkrimi-Metropole a.D. Bonn (und nicht, wie in den vergangenen Jahren, im doch eher etwas beschaulichen Baden-Baden) zu vergeben sind. Von den Amtsinhabern traten neben Frank Montag auch Wolfgang Deselaers und Dirk Schroeder (gerade \u00fcbrigens mit einer sehr gewichtigen Festschrift geehrt!) nicht mehr an. <\/p>\n\n\n\n<p>Was tut ein sorgender Vorstand in dieser Lage? Einem wohl alten Brauch zufolge gilt es, schmerzvolle Vakanzen im Vorstand zu vermeiden. Nicht auszudenken, es f\u00e4nde sich kein Kandidat (m\/w\/d)! Also sondierte der Noch-Vorstand und schlug mit der Ladung zur Mitgliederversammlung im Oktober drei Nachfolger\/innen vor, die zuf\u00e4llig aus den Kanzleien bzw. Ex-Kanzleien der verdienten Herren, die nun ihre Pl\u00e4tze r\u00e4umten, kamen. Und wie sch\u00f6n f\u00fcr das CDU-Elektrisiergef\u00fchl: Es fanden sich noch zahlreiche weitere Kandidatinnen und Kandidaten! Soviel Wettbewerb war selten.&nbsp; Dass Wettbewerb \u00fcberhaupt ein <em>workable concept<\/em> ist, hatte kurz zuvor die Schweizer Sektion bewiesen, in der sich Mario Strebel als Nachfolger des abtretenden Obmanns Franz Hoffet durchsetzte. \u00d6sterreich wird von Axel Reidlinger vertreten.<\/p>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Mitgliederversammlung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Rundschreiben-Studienvereinigung-Kopf-2018-06-300x258.jpg\" alt=\"Wichtige Hinweise zur Mitgliederversammlung der Studienvereiningung.\" class=\"wp-image-1542\" width=\"300\" height=\"258\" srcset=\"https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Rundschreiben-Studienvereinigung-Kopf-2018-06-300x258.jpg 300w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Rundschreiben-Studienvereinigung-Kopf-2018-06-768x661.jpg 768w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Rundschreiben-Studienvereinigung-Kopf-2018-06-600x516.jpg 600w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Rundschreiben-Studienvereinigung-Kopf-2018-06-440x379.jpg 440w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Rundschreiben-Studienvereinigung-Kopf-2018-06-314x270.jpg 314w, https:\/\/www.d-kart.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Rundschreiben-Studienvereinigung-Kopf-2018-06.jpg 845w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption>&#8220;aus gegebenem Anlass&#8221; &#8211; die Studienvereinigung w\u00e4hlt.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wie organisiert man nun einen Markt so, dass die Auswahlentscheidung der Marktteilnehmer funktioniert? &#8220;Aus gegebenem Anlass&#8221;&nbsp; wies man in einem Rundschreiben auf Verschiedenes hin, z.B. dass man sich bitte ab 8.00 Uhr einfinden und registrieren m\u00f6ge, damit die MV um 9.00 Uhr beginnen kann, und dass jeder nur zwei Vollmachten haben k\u00f6nne, und dass es \u00fcberhaupt wohl recht voll werde.<\/p>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Ergebnis<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Dann wurde es spannend: Die Kandidatinnen und Kandidaten stellten sich vor. Die Reden waren nach Auskunft unseres anonym bleiben wollenden Informanten &#8220;teilweise sehr k\u00e4mpferisch&#8221;. 14 Kandidaten, darunter f\u00fcnf Frauen, sieben Stimmen. Es wurde gew\u00e4hlt. Die Stimmen wurden gez\u00e4hlt. W\u00e4hrenddessen trat Andreas Mundt auf wie fr\u00fcher die bekanntesten Bands der Welt zwischen den Wetten in &#8220;Wetten, dass&#8230;?&#8221;. Und dann stieg wei\u00dfer Rauch aus den Schornsteinen des Hotels Kameha in Bonn auf (sofern dieser stylishe Komplex \u00fcberhaupt noch Schornsteine hat und nicht schlicht mit positiver Energie elektrisierter Kartellrechtler betrieben wird). So oder so \u00e4hnlich muss es sich abgespielt haben, dessen sind wir uns sicher. Ebenfalls sicher: Habemus papam! <\/p>\n\n\n\n<p>Ingo Brinker, im Hauptberuf Partner bei Gleiss Lutz in M\u00fcnchen, ist neuer Vorsitzender der Studienvereinigung Kartellrecht. Aber bis das feststand, bis es wirklich bl\u00fctenwei\u00dfer Rauch war, war ein Wahlmarathon zu absolvieren. Zwischendurch wurde auch noch fachlich gesprochen, ja. Wer das nachverfolgen will, der liest am besten den <a href=\"http:\/\/www.twitter.com\/TSteinvorth\">Twitter-Account von Till Steinvorth<\/a> nach, der uns auch das Vorschaubild borgte. Das klingt schon recht spannend, was Andreas Mundt (u.a.) berichteten. Aber wen interessiert schon, sagen wir, die WuW, wenn man stattdessen auch die BUNTE lesen kann? [Okay, eine Person gibt es, das ist der Anwalt, der mir heute <a href=\"https:\/\/www.juve.de\/nachrichten\/verfahren\/2018\/12\/kartellschaeden-norton-rose-und-rohnke-erstreiten-bgh-urteil-zum-anscheinsbeweis\">wegen dieses BGH-Urteils<\/a> schrieb&#8230;]<br><\/p>\n\n\n\n<p>Zu den vier Wahlg\u00e4ngen kam es, weil die Kartellrechtsgranden der Vergangenheit in der Satzung vorgesehen hatten, dass in den Vorstand nur gew\u00e4hlt werden kann, wer auch eine Mehrheit der abgegebenen Stimmen auf sich vereinen kann. Das schafften im ersten Wahlgang Daniela Seeliger (Linklaters), Anne Federle (Bird &amp; Bird), Ingo Brinker (Gleiss Lutz), Christoph Stadler (Hengeler Mueller) und Albrecht Bach (Oppenl\u00e4nder). Das sind f\u00fcnf. Macht: Zwei Pl\u00e4tze noch offen. Daf\u00fcr neun Bewerber. Selbst bei Castingshows im Trash-TV l\u00e4sst man nicht so viele Top-Talente XXL &#8220;zittern&#8221;! Was jetzt kam, zog sich erstens hin und illustrierte zweitens, was eine &#8220;split vote&#8221; ist. Es brauchte Wahlgang um Wahlgang, bis nach zahllosen Stunden und immer weiteren R\u00fccknahmen von Kandidaturen nur noch drei Kandidaten f\u00fcr die zwei Pl\u00e4tze \u00fcbrig waren &#8211; und Marc Besen (Clifford Chance) und Kathrin Westermann (Noerr) setzten sich durch. Pjuuuuuuuufffffff! <br><\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind jetzt noch ganz atemlos vor Aufregung, um ehrlich zu sein. Das Ergebnis ist ein Generationswechsel, und immerhin sind es jetzt drei Frauen. Auch geographisch ist das Feld gut gemischt, mit jeweils zwei Personen aus den Hauptst\u00e4dten des Kartellrechts, erg\u00e4nzt um M\u00fcnchen, Stuttgart und Berlin. Dass es \u00fcberhaupt so viel Interesse an diesem Ehrenamt gibt, f\u00fcr das sich schlecht die Stunden billen lassen, zeigt&#8230; ja, was eigentlich? Und was hei\u00dft das f\u00fcr die Kanzleien? Vielleicht \u00fcberlassen wir die \u00fcbrigen Schl\u00fcsse lieber den Vertretern des Andenpakts &#8211; oder der Juve.<br><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Zukunft<br><\/h2>\n\n\n\n<p>Wie es weitergehen wird? Der neue Vorsitzende wird sich am Sonntagabend den Fragen von Anne Will stellen, direkt nach dem <em>Tatort<\/em>, und die Nation \u00fcber sein Programm aufkl\u00e4ren. Die Gew\u00e4hlten werden etwas mehr arbeiten m\u00fcssen als bisher, aber kein Problem: Mehr geht immer. Die couragierten Bewerber\/innen, die es nicht in den Vorstand geschafft haben, werden sich sagen: Besser ist es wohl. Und statt eine Konkurrenztruppe zu gr\u00fcnden, bringen sie sich energisch in die Studienvereinigung ein. Ihnen allen ein herzliches &#8220;Gl\u00fcck auf&#8221;! (So sagt man das hier am Schreibtisch des Ruhrgebiets.) <\/p>\n\n\n\n<p>Den ausscheidenden Vorst\u00e4nden gilt Lob und Ehre daf\u00fcr, dass sie diese immer beeindruckend kluge und engagierte Studienvereinigung auf Kurs gehalten haben. Und im Sinne der <em>consumer welfare<\/em> w\u00fcnschen wir uns nur noch, dass die Anwaltschaft jetzt noch \u00fcberzeugender den Mandanten sagt, dass Wettbewerb eigentlich sogar eine ziemlich feine Sache ist. <em>E-lec-tric<\/em>. <br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist, als ob es Fr\u00fchling w\u00e4re, so kurz vor Weihnachten: Die Studienvereinigung Kartellrecht, der Verein der Kartellrechtsanw\u00e4lte, tagte heute in Bonn, und dort fand etwas geradezu Unerh\u00f6rtes statt: Wettbewerb um die Vorstandsposten. Wir waren zwar nicht dabei, aber &#8211; wie hei\u00dft es im Journalistensprech &#8211; uns liegen die Ergebnisse vor. Hier sozusagen als breaking news &#8211; und noch vor CNN! Die Ausgangslage Die Studienvereinigung Kartellrecht ist 1965 von 14 Anw\u00e4lten gegr\u00fcndet worden, die das Kartellrecht f\u00fcr sich entdeckt hatten&#8230;.<\/p>\n<p class=\"read-more\"><a class=\"btn btn-default\" href=\"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/blog\/2018\/12\/12\/breaking-news-demokratischer-aufbruch-bei-der-studienvereinigung\/\"> Read More<span class=\"screen-reader-text\">  Read More<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":1571,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[227,228,229],"class_list":["post-1538","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag-studienvereinigung","tag-wahlen","tag-wettbewerb"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.0","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1538","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1538"}],"version-history":[{"count":23,"href":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1538\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1576,"href":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1538\/revisions\/1576"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1571"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1538"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1538"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.d-kart.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1538"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}